Konjunktur: Deutschland entgeht knapp der Rezession

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14. November 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Überraschende Rückkehr zu Wachstum: Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal nur knapp an einer technischen Rezession vorbeigeschrammt. Ersten Schätzungen zufolge ist das saisonbereinigte BIP um 0,1 Prozent gestiegen, nach einem stärker als zunächst erwarteten Rückgang von 0,2 Prozent im Vorquartal.

Das positive Wachstumsergebnis sei vor allem der nach wie vor relativ robusten Binnennachfrage zu verdanken, teilte Allianz Research am Donnerstag in München mit. So hätten positive Konsumimpulse sowie steigende Bauinvestitionen den Gegenwind im Außenhandel mehr als ausgeglichen. Allerdings hinterlasse der starke Rückgang in der Exportnachfrage zunehmend auch seine Spuren. Die Investitionen in Ausrüstungen seien im dritten Quartal erneut rückläufig.

Auch wenn die deutsche Wirtschaft nicht in eine Rezession gerutscht sei, gebe es kaum Anlass zum Feiern, hieß es. In den kommenden Quartalen sei angesichts des verhaltenen Ausblicks für Welthandel und Automobilbranche sowie der anhaltenden erhöhten politischen Unsicherheit rund um Handel und Brexit bestenfalls mit einem Mini-Wachstum zu rechnen. Frühindikatoren und vorliegende Daten für das Schlussquartal sprächen allenfalls für eine zaghafte Stabilisierung in der Industrie. Damit dürfte die aktuelle Industrieschwäche zunehmend auf die Binnennachfrage abfärben und das Rezessionsrisiko auch im Jahr 2020 erhöht bleiben.

Sorgen bereitet den Forschern vor allem die zunehmende Eintrübung des Arbeitsmarktausblicks. Damit dürfte auch die derzeit wichtigste Säule der Konjunktur – der private Konsum – im kommenden Jahr zunehmend wackeln. Darüber hinaus sei mit den heutigen Daten auch ein Einschreiten von Seiten der Wirtschaftspolitik zur Stützung der deutschen Konjunktur – egal ob fiskalpolitische Lockerung zur Stabilisierung der Nachfrage oder strukturelle Reformen zur Steigerung des Potenzialwachstums – unwahrscheinlicher geworden. Für 2019 und für 2020 rechnen die Experten weiterhin nur noch mit einem BIP-Wachstum von 0,6 Prozent für Deutschland. Damit dürfte das Expansionstempo der deutschen Wirtschaft nur noch rund halb so hoch ausfallen wie für den Euroraum als Ganzes. (ud)

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