EZB-Zinserhöhung 2019 könnte ausfallen

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04. Januar 2019
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Hans Bentzien und Andreas Plecko

Die Verbraucherpreise sind im Euroraum im Dezember nur noch mit einer Jahresrate von 1,6 Prozent gestiegen. Der starke Inflationsrückgang könnte zur Folge haben, dass die EZB ihre Zinsen in diesem Jahr nicht mehr anheben wird – und im nächsten auch nicht.

Der Inflationsdruck im Euroraum hat im Dezember deutlicher als erwartet nachgelassen, was vor allem auf den gesunkenen Ölpreis zurückzuführen war. Nach Mitteilung von Eurostat stiegen die Verbraucherpreise nur noch mit einer Jahresrate von 1,6 (November: 1,9) Prozent. Volkswirte hatten - vor der Veröffentlichung unerwartet schwacher Preisdaten aus Deutschland und Spanien - eine Inflationsrate von 1,8 Prozent prognostiziert.

Der deutliche Inflationsrückgang lässt Spekulationen aufkommen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen in diesem Jahr nicht mehr anheben wird – und im nächsten auch nicht.

Lampe: Wenn Zinserhöhung 2019 ausfällt, dann auch 2020

Alexander Krüger, der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, sagte: „Ich kann verstehen, wenn Volkswirte meinen, dass es angesichts des ungünstiger werdenden Wachstumsumfelds und nun auch noch enttäuschender Inflationsdaten 2019 keine Zinserhöhung mehr geben wird. Aber dann müsste sie eigentlich auch 2020 ausfallen, denn dann werden sich die Rahmenbedingungen weiter verschlechtern.“ Für Krüger selbst ist eine Anhebung des Einlagensatzes 2019 weiterhin das Basisszenario.

Wie aus den Daten von Eurostat hervor geht, kostete Energie im Dezember nur noch 5,5 (9,1) Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Bei unverarbeiteten Lebensmitteln stieg die Inflationsrate auf 1,9 (1,8) Prozent, unverändert blieb sie bei Industriegütern ohne Energie (0,4 Prozent) und bei Dienstleistungen (1,3 Prozent).

Barclays hat vorsichtigere Inflationsprognosen als die EZB 

„Wir prognostizieren, dass die Gesamtinflation 2019 auf 1,4 (2018: 1,7) Prozent sinken wird, weil die Unterstützung von den volatilen Preiskomponenten nachlässt und sich Basiseffekte bemerkbar machen", schrieb Barclays-Analyst Fabio Fois in einem Kommentar. Ihren zyklischen Tiefpunkt wird die Rate laut Fois mit 1,3 Prozent im dritten Quartal erreichen. Für die Kerninflationsrate erwartet der Barclays-Volkswirt 1,2 (1,0) Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) peilt mittelfristig knapp zwei Prozent Inflation an. Ihr volkswirtschaftlicher Stab prognostizierte im Dezember für 2019 eine Gesamtinflation von 1,6 Prozent und 1,4 Prozent Kerninflation. 

Nordea: Keine Anzeichen für höhere Kerninflation

Nordea-Analystin Tuuli Koivu schrieb in einem Kommentar: „Die Entwicklung der Dienstleistungspreise deutet darauf hin, dass der moderate Inflationstrend anhalten wird. Vor allem in Frankreich hat die Kerninflation an Schwung verloren, und der Anstieg in Deutschland beruhte vor allem auf einer Normalisierung der Pauschalreisepreise."

Koivu sieht das Risiko, dass die von ihr bisher für Dezember 2019 erwartete Zinserhöhung später stattfinden wird. „Sollte sich der Wachstumsausblick in den nächsten Monaten verschlechtern, könnte sich die EZB sogar gezwungen sehen, ihre Politik zu lockern, zum Beispiel über neue Tender-Operationen.“ (DJN)

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