Endfassung der EZB-Leitfäden zu ICAAP und ILAAP

ERM
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12. November 2018
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Redaktion RISIKO MANAGER

Ein Mangel an qualitativ unzureichendem Kapital im Bankensektor war eins der Hauptprobleme der letzten großen Finanzkrise. Vorhandene oder potenzielle Risiken wurden nicht angemessen oder nicht mit ausreichendem Kapital abgesichert. Deshalb war es wichtig, die Widerstandsfähigkeit der Institute zu stärken. Der ICAAP (interner Prozess zur Beurteilung der Angemessenheit des Kapitals) spielt dabei eine wichtige Rolle; im Rahmen des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) erwartet die Europäische Zentralbank (EZB) von den bedeutenden Kreditinstituten, dass der ICAAP solide und konservativ ausgestaltet ist. Nach Auffassung der zentralen Bankenaufsicht enthalten effektive und umfassende ICAAPs eine eindeutige Bewertung der Kapitalrisiken. Sie verfügen zudem über eine strukturierte Risk Governance und ausgefeilte Risikoeskalationsprozesse, die auf einer fundierten Risikostrategie beruhen, aus der ein wirksames Risikolimitsystem resultiert.

Den soliden und konservativen Ansatz erwartet die Bankenaufsicht auch im bankinternen Prozess zur Sicherstellung einer angemessenen Liquiditätsausstattung (ILAAP). Das Liquiditätsrisikomanagement der Kreditinstitute muss sicherstellen, dass die Institute ihren Zahlungsverpflichtungen jederzeit nachkommen können, auch unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Dabei bilden die ökonomische und die normative Perspektive zwei Säulen, die sich gegenseitig ergänzen. Kurz: Banken sollten ihre Risiken bewerten und mit Blick auf die Zukunft sicherstellen, dass alle wesentlichen Risiken jederzeit effektiv gesteuert und angemessen mit Kapital und Liquidität abgedeckt sind. 

Nun hat die EZB ihre Erwartungen hinsichtlich beider Prozesse zur Kapital- bzw. Liquiditätsausstattung veröffentlicht. Die beiden Leitfäden ersetzen die aufsichtlichen Erwartungen an die Banken aus dem Januar 2016 und werden ab dem Jahreswechsel angewendet, sind aber nicht rechtsverbindlich. Sie sollen die Banken bei der Stärkung ihrer ICAAPs und ILAAPs unterstützen und die Verwendung von Best Practices fördern, indem sie die Erwartungen der EZB ausführlicher erläutern und so die Konsistenz und Wirksamkeit der Aufsicht erhöhen. 

Die Qualitätsprüfung des institutionellen ICAAP und ILAAP ist ein wesentlicher Bestandteil des aufsichtlichen Überprüfungs - und Bewertungsprozesses (SREP). Beide Leitfäden werden vom gemeinsamen Aufsichtsteam jährlich überprüft und fließen in die Bewertung aller SREP-Elemente ein. Die EZB möchte für die Banken Anreize schaffen, ihre ICAAPs und ILAAPs zu verbessern. Deshalb wird der Stellenwert der Leitfäden im SREP weiter erhöht. Beispielsweise wird der ICAAP eine größere Rolle spielen, wenn nach einer Einzelbeurteilung der jeweiligen Banken die Säule-2-Eigenmittelanforderungen auf Einzelrisikobasis festgelegt werden.

Die EZB hatte im Jahr 2016 ihre Erwartungen im Hinblick auf ICAAP und ILAAP der von ihr direkt beaufsichtigten Institute veröffentlicht. Aufgrund der stark unterschiedlichen Ansätze der einzelnen Banken ergab sich Verbesserungsbedarf, und die Bankenaufsicht erstellte einen Mehrjahresplan, der ihre Erwartungen ausführlicher dargelegt. In zwei Feedbackrunden konnten die Banken und andere Vertreter des Sektors ihre Anmerkungen platzieren, insgesamt gingen rund 800 Kommentare bei der EZB ein. (kra) 

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