Commerzbank befürchtet Euro-Bonds durch die Hintertür

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03. Dezember 2018
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Hans Bentzien

Im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) gibt es offenbar Sympathien für eine dauerhaft höhere Bilanzsumme. Die Commerzbank warnt davor, dass damit die Basis für die Einführung von Euro-Bonds geschaffen werde.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Bilanz ab 2019 voraussichtlich nicht weiter vergrößern, sondern nur noch konstant halten. Wann sie sie verkleinern wird und auf welche Größe, ist derzeit noch ungewiss. Wiederholte Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern zu diesem Thema zeigen, dass es im EZB-Direktorium, dem ständigen Leitungsgremium, Sympathien für eine dauerhaft höhere Bilanzsumme, also Staatsanleihebestände, gibt. Das deutsche Ratsmitglied Jens Weidmann formulierte kürzlich eine Gegenposition. Die Commerzbank warnt in einem aktuellen Kommentar, dass eine große Bilanz zur Einführung von Euro-Bonds durch die Hintertür führen könnte.

Dass die EZB die im Rahmen des Anleihekaufprogramms APP erworbenen Anleihen zumindest dauerhaft halten sollte, leuchtet nicht unmittelbar ein: Wenn die geldpolitischen Gründe für die Ankäufe wegfallen, warum nicht einfach die Papiere auslaufen lassen? Der ehemalige EZB-Vizepräsident Vitor Constancio sagte dazu im Mai: „Es ist zweifelhaft, dass die Geldpolitik wirksam bleiben kann, wenn sie zu ihrem traditionellen Ansatz einer sehr kleinen Zentralbankbilanz und einer Steuerung der Geldmarktsätze zurückkehrt.“

Banken geben Liquidität ab

Grund sind strukturelle Veränderungen im Finanzsystem. Analysten verweisen darauf, dass Banken heutzutage mehr liquide und sichere Vermögenswerte vorhalten müssen. Bliebe die EZB bei einer vergrößerten Bilanz, würde sie in einem Umfeld permanenter Überliquidität operieren. Um sie zu regulieren, könnte sie mit eigenen Schatzwechseln arbeiten. Prinzip: Sie bietet solche kurzlaufenden Papiere an, die Banken geben dafür Liquidität ab.

Constancio hatte in seiner Rede gesagt: „Durch ein Festhalten an einer ausgeweiteten Bilanz ... würden kurzfristige, sichere Vermögenswerte geschaffen werden. Dies würde die Finanzstabilität fördern: Die erfolglosen Versuche des Finanzsystems, 'sicherere' Assets zu schaffen, wie wir sie vor der Krise gesehen haben, wären unnötig.“ EZB-Direktor Benoit Coeure hatte in diesem Zusammenhang von Reverse Repos gesprochen.

Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert sagt: „Das könnte man als einen Einstiegan die Schaffung eines sicheren Vermögenswerts interpretieren - in der Hoffnung, dass später vielleicht mehr kommt.“ Es könne sein, dass die Bank quasi durch die Hintertür gemeinsame Euro-Schatzwechsel einführe.

Bundesbank-Präsident Weidmann hat im November hingegen deutlich gemacht, dass er gegen eine Rückkehr zum alten geldpolitischen Handlungsrahmen prinzipiell nichts einzuwenden hätte. „Die Bilanz sollte groß genug sein, um der Geldpolitik die Kraft zu verleihen, die sie zum Erreichen von Preisstabilität benötigt und gleichzeitig so klein wie möglich, damit sie bei der Verfolgung ihres Ziels die Marktaktivität nicht zu sehr beeinträchtigt“, sagte er.

Solange nicht nachgewiesen sei, dass eine Rückkehr zum Vorkrisenregelwerk die Wirksamkeit der Geldpolitik beeinträchtigen würde, sehe er keinen Grund dafür, sich von diesem Handlungsrahmen zu verabschieden.  (DJN) 

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