Britische Banken gesund genug für chaotischen Brexit

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29. November 2018
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Philip Georgiadis und Margot Patrick

Das britische Bankensystem ist stark genug, um den Schock eines chaotischen Brexits zu überstehen, teilte die Bank of England (BoE) am Mittwoch mit. Zuvor hatten alle großen Banken des Landes den jährlichen Stresstest der Notenbank bestanden.

Keine der sieben getesteten Großbanken muss ihre Kapitalquoten als Ergebnis des Tests stärken, bei dem die Art von schweren wirtschaftlichen Schocks simuliert worden war, die mit einem Austritt Großbritannien aus der EU ohne Abkommen einhergehen könnte.

Darüber hinaus veröffentlichte die Bank of England Prognosen über die Auswirkungen eines „No Deal“-Brexits ohne Übergangsfrist und kam zu dem Ergebnis, dass selbst dann die Banken des Landes in der Lage seien, weiterhin Kredite an Haushalte und Unternehmen zu vergeben.

Der diesjährige Gesundheitscheck der Bankbilanzen ist für Investoren besonders wichtig, da Großbritannien im März die Europäische Union verlassen soll – ein Ereignis, das es in der Geschichte der EU bislang noch nie gegeben hat. Beide Seiten haben sich auf Scheidungsbedingungen und eine Übergangsfrist geeinigt, was den Finanzdienstleistern ermöglichen sollte, weitgehend normal zu arbeiten. Doch es gibt Zweifel – unter anderem auch daran, ob das Abkommen im Dezember vom britischen Parlament ratifiziert wird.

Barclays und Lloyds im Fokus

Vor allem Barclays und Lloyds Banking Group standen im Fokus, nachdem sie bei einer EU-weiten Stressübung Anfang dieses Monats unerwartet schlecht abgeschnitten hatten. Im Gegensatz zu den Tests der EZB können die Stresstests der Bank of England für die britischen Banken Konsequenzen nach sich ziehen, denn die britische Notenbank kann sie zwingen, mehr Kapital aufzunehmen oder die Dividenden zu kürzen. Die Belastungstests werden auch von den Investoren aufmerksam beobachtet, weil die Ergebnisse zeigen, ob die Banken die regulatorische Freigabe für Dividenden erhalten.

Das britische Stressszenario beinhaltete tiefe Rezessionen in Großbritannien und der Weltwirtschaft, einen Einbruch der britischen Wohnimmobilienpreise um ein Drittel und einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf fast 10 Prozent. Laut der BoE war das Szenario härter als die globale Finanzkrise 2008 und beinhaltete „Worst Case“-Annahmen.

Die Notenbank rechnet im Falle eines ungeordneten Brexits mit volatilen Märkten. Das britische Finanzsystem könne aber schweren Marktstörungen monatelang standhalten und die Banken verfügten über genügend Liquidität, um Anleihen zu bedienen und Einlagen auszuzahlen, ohne Zugang zu Wholesale-Finanzierung oder Devisenmärkten haben zu müssen.

Laut einer Analyse des Schatzamtes vom Mittwoch wird die Wirtschaft Großbritanniens bei jeder Form von Brexit schrumpfen. Unter Annahme des Brexit-Plans von Premierministerin Theresa May wäre der Schaden mit voraussichtlich 3,9 Prozent aber viel kleiner als bei einem EU-Ausstieg ohne Abkommen. Bei einem abrupten und chaotischen Bruch mit der EU könnte Wirtschaft um bis 9 Prozent kleiner sein als wenn Großbritannien weiterhin Mitglied der EU bliebe. (DJN)

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