Angst vor Cyber-Risiken wächst

ERM
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15. Januar 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Cyberrisiken werden für alle Unternehmen immer gefährlicher, und die Liste potenzieller Gefahren wird größer.

Dabei gehören Betriebsunterbrechungen und „Cybervorfälle“ mit jeweils 37 Prozent der Nennungen zu den größten Geschäftsrisiken, die im aktuellen Risk Barometer 2019 des Industrieversicherers Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) aufgeführt sind. Erstmals stehen beide Risiken in der weltweiten Untersuchung an der Spitze, womit Cyberrisiken ihren kontinuierlichen Aufstieg in dem Ranking fortsetzen. Auf dem dritten Platz folgt die Angst vor Naturkatastrophen. Für die Analyse wurden 2.415 Risikoexperten aus 86 Ländern befragt. 

In Deutschland sieht das Bild leicht anders aus. Zwar dominiert auch hierzulande die Sorge vor einer Betriebsunterbrechung (48 Prozent), knapp gefolgt vom Risiko eines Cybervorfalls (44 Prozent). Doch Naturkatastrophen sind in Deutschland glücklicherweise eher selten (und werden an vierter Stelle genannt), dementsprechend sorgen sich die Unternehmer in der Exportnation Deutschland mehr vor Veränderungen im Wirtschaftsumfeld. Handelskriege wie der zwischen den USA und China, steigende Zölle und Wirtschaftssanktionen (Beispiele Russland oder Iran) sowie der unsichere Ausgang der Brexit-Verhandlungen sind für sie näherliegend. Und auch das Risikobewusstsein geht mit der Zeit: Künstliche Intelligenz oder Technologien wie Autonomes Fahren sind ein großer Aufsteiger im Ranking und belegen Platz 5 des Rankings. 

Die wachsende Besorgnis über Cybervorfälle folgt auf ein Jahr mit zahlreichen Datenskandalen, Hackerangriffen und IT-Pannen. Der Cyber-Sektor sei mittlerweile für Unternehmen ebenso wichtig wie die traditionellen Geschäftsrisiken, sagte Jens Krickhahn, Practice Leader Cyber bei AGCS. Cyberkriminalität kostet aktuell nach Angaben des Center for Strategic and International Studies schätzungsweise 520 Mrd. Euro pro Jahr, gegenüber 385 Mrd. Euro im Jahr 2014. Zum Vergleich: Der durchschnittliche wirtschaftliche Schaden aus Naturkatastrophen lag bei 180 Mrd. Euro über die letzten zehn Jahre, also bei rund einem Drittel. 

Während Kriminelle innovativere Methoden für Datenklau, Online-Betrug oder Cybererpressung einsetzen, wächst auch die Bedrohung durch Hackergruppen, die eng mit Nationalstaaten verbunden sind. Sie zielen darauf ab, Betreiber kritischer Infrastruktur zu attackieren oder wertvolle Daten oder Geschäftsgeheimnisse von ausländischen Unternehmen zu rauben.

Betriebsunterbrechungen: Mehr Ursachen, höhere Schäden

Die Furcht vor Betriebsunterbrechungen führt das Allianz Risk Barometer im siebten Jahr in Folge an. Die Szenarien und Auslöser würden zunehmend vielfältiger und komplexer, erklärte AGCS-Experte Volker Münch. Neben Feuer und Naturkatastrophen führten immer öfter auch IT-Ausfälle, Produktrückrufe, Qualitätsprobleme, Terrorismus, politische Unruhen oder Umweltverschmutzung zum Betriebsstillstand. Auffällig sei zudem, dass Cyber- und BU-Risiken zunehmend miteinander verknüpft sind, da Ransomware-Angriffe oder IT-Ausfälle oft zu Betriebs- und Serviceunterbrechungen führen. So sind Cybervorfälle laut Allianz der am meisten gefürchtete Auslöser von Betriebsunterbrechungen, noch vor Feuer und Explosionen. (kra) 

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